lm Fußballfıeber

Von den Anfängen der Sportart Nummer eins in Westfalen

Ich warne euch, ihr Brüder Jahns, vor dem Gebrauch des Fußballwahnsl« Diese Worte stammen aus einem Gedicht von Joachim Ringelnatz aus dem Jahr 1919. Angesichts der Fußballeuphorie zur Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland ist es kaum zu glauben, dass es Zeiten gab, in denen das Fußballspiel in Frage gestellt wurde, oder - was noch unvorstellbarer erscheint- es kaum bekannt war.
Am Anfang des 20. Jahrhunderts musste sich der Fußball seine Stellung als Massensportart erst noch erobern. Bekannt waren Vorläufer des heutigen Fußballs im Mittelalter schon von England und Frankreich ausgehend in vielen Teilen Europas. Veränderte Lebensbedingungen und Verbote der Obrigkeit führten um 1800 zu einem Rückgang dieser Spiele. Lediglich in Schulen, insbesondere in England, wurde dieser Sport weiter kultiviert. In Deutschland eroberte der englische ››Sports« die Turnerlandschaft durch Bemühungen einzelner Pädagogen. Die von ››Turnvater« Jahn geförderte Bewegung stand dem ››Kampfspiel« zunächst skeptisch gegenüber, jedoch war die Popularität des Fußballs in Deutschland nicht mehr aufzuhalten. Ab den 1880er Jahren entstanden Vereine, in denen sich zunächst Schüler, Studenten, Angestellte und Akademiker, später auch Arbeiter zusammenschlossen.
Der Fußball fand seinen Weg auch nach Westfalen. Der Wittener FC, der 1891/92 aus einer Schülermannschaft gegründet wurde, ist sogar der fünftälteste Verein in ganz Deutschland. Vor allem das Ruhrgebiet wurde zum ››Fußballrevier« und viele Arbeiter verschafften sich einen sportlichen Ausgleich zur monotonen Arbeitswelt und stürmten aus den Kohlengruben in den Fußballhimmel.
Aber nicht nur die bekannten großen Vereine aus Dortmund und Gelsenkirchen - letztgenannter zunächst auf »Westfalia Schalke« getauft - spielen in Westfalen eine Rolle. Fußball eroberte die Freizeit vieler Menschen. Egal ob mit Lederball, Lumpenbällen oder Blechdosen, das ››Fußballfieber« erreichte alle Bevölkerungsschichten, nicht nur in den Städten, sondern auch auf dem Land. Die beiden Volkskundler Sebastian Scharte und Martin Wörner berichten in ihrem in Kürze erscheinenden Bildband über Fußball in Westfalen unter anderem von einem Fußballmatch in Lavesum (heute Stadt Haltern am See) um 1910. Auf die Frage, was den Fußball so populär machte, nennen die beiden Autoren eine wachsende Kommerzialisierung, die Etablierung zum Medienereignis, staatliche und pädagogische Fördermaßnahmen sowie den Wettkampfcharakter und die einfachen Regeln.
Die Weimarer Republik war die Zeit der großen Fußballstadien. 1926 begann der Bau der ››Kampfbahn Rote Erde« in Dortmund, und 1928 wurde die »Glückaufkampfbahn« auf Schalke errichtet, wo man drei Jahre später bei einem Spiel rund 70000 Zuschauer zählte. Der Stadionbau belegt, welche große Rolle der Fußball auch für die »passiven Spieler« hatte, von denen sich viele fortan mit ››ihrem« Verein identifizierten. Auch der Hörfunk übertrug bald die wichtigen Fußballspiele. Die erste deutsche Fußballübertragung wurde 1925 von einem Spiel zwischen Preußen Münster und Arminia Bielefeld aus Münster gesendet.
Und heute? Die ››Fußballgötter« sind nicht mehr allein am Himmel, sondern bekommen Konkurrenz von ››Göttinnen« mit Weltmeisterklasse, von denen auch einige in Westfalen bei »Heike Rheine« zu Hause sind und zu den erfolgreichsten deutschen Fußballspielerinnen zählen.
Jutta Nunes Matias
Westfalenspiegel 02-2006


Suche

Turniere und Freundschaftsspiele

Keine Termine